Archiv

Von Clessidras Mitgliedern wird verlangt, tolerant und offen gegenüber anderen Glaubenseinstellungen zu sein. So leichtfertig man das aussprechen kann, so schwer gestaltet sich oft die praktische Anwendung, egal, welchen Bereich man genau anspricht. Diese Offenheit schließt ein kritisches Hinterfragen von dargelegtem Material und Diskussionsstoff ein. Es ist kein Geheimnis, dass es im Vampyrismus zu einer extremen Zersplitterung gekommen ist. Man hört von Höfen, welche sich strikt in Blutritualen und magischen Praktiken üben und von welchen, die Saufparties zu ihren Quabals (geschlossene Treffen) erklärten. Solange im Zentrum der Schwarze Schleier steht, sei das alles vertretbar. Dieser weitläufige Interpretationsfreiraum und die insgesamt noch relativ junge Vereinigung als spirituelles Netzwerk stellen jede Gruppe und jedes Mitglied vor ein Problem. Weiterhin trifft die gepredigte Toleranz wie so oft gerade auf äußerlich Verwandte oder lediglich romantisch Faszinierte nicht zu. Auch Clessidra ist nicht frei von Vorurteilen und der leider viel zu beliebten Politik der Szene. Wir bemühen unser Bestes, aber schließlich hat jeder von uns eine menschliche Seite, die manchmal tierhafter anmuten kann, als unser dunkles Wesen.
Wir diskutieren auch solche Umstände auf unseren Treffen und haben meist sehr verschiedene Einstellungen zu den gegebenen Problemen. Unsere Onlinepräsentation wäre jedoch eine Lüge, wenn nicht auch Kritikpunkte angesprochen und diskutiert werden.


| Hierarchie | Rollenspiel(er) | Verhalten und Politik |
| Selbstkritik und Bildung | Diskretion | 18 - Jahre - Regel




Hierarchie

(+) Hierarchien sind praktisch für große Gruppen, in denen es zu schnellen Entscheidungen kommen sollte und eine festgelegte Struktur von Arbeitsteilung + automatischem Ablauf dieser Mechanismen gewünscht ist. Sie bekräftigt zudem den Respekt, den man jenen, welche intensiv für die Szene gearbeitet haben, zollen sollte. Viele sehen in Hierarchien auch Ziele und genaue Festlegungen, was wofür wie geregelt / erreicht werden muss. Sie helfen der Selbst- und Fremdeinschätzung, was erreichten Erfahrungsschatz und Stand d. Bildung betrifft. Sie berechtigt Lehrer zu lehren.
(-) In wirklich kleinen Gruppen sind Hierarchien von vornherein ob ihrer Notwendigkeit bedenkenswert. Jedes Wesen hat außerdem eine andere Art mit Erfahrungen umzugehen und andere Voraussetzungen. Es wäre fatal, Stärken und Schwächen nur nach eingefrorenen Standards zu klassifizieren. Eine kastenartige Bevormundung künstlich 'Niederer' steht ganz und gar nicht unter dem Stern der Toleranz. Allerdings ist es in der Theorie gedacht, dass Höherrangige mit ihrem Rang umzugehen wissen und nicht damit herumspielen, wie es oft der Fall ist.
(=) Respekt und Hierarchie sollte sich selbst finden. Rostock ist zwar die größte Stadt MV-s, aber verglichen mit südlicheren Kreisen kein Weltzentrum, weswegen auch Clessidra keinen Massenandrang zu verzeichnen hat, also: Eine Hierarchie ist in kleinen, überschaubaren Gruppen unter den Mitgliedern hinderlich. Auf der anderen Seite kann der Ehrgeiz, mehr zu lernen, schwinden. Wer jedoch nicht ernsthaft an den Lehren interessiert ist, sondern jene für bestimmte Titel und computerspielgleiche 'Stufen' auf sich nimmt, sollte sich im Voraus überlegen, ob er diesen Weg wirklich einschlagen möchte. Anders als in vielen Gruppen ist hier JEDER zur Diskussion und Präsentation interessanter Themen aufgefordert(!!!)! Am besten ist es sowieso, dass man sich einen persönlichen Lehrer sucht, darf dabei aber niemals die Kritik aus den Augen verlieren!



Rollenspieler / Rollenspiel
(--> Lexikon)
(+) Rollenspiel, insbesondere White Wolf's Vampire: the Masquerade, trug und trägt genauso wie Anne Rice's Vampirchroniken und andere Medien zum Wachstum der Szene bei. Viele Vampire erkennen durch das Darstellen derartiger Charaktere ihre innere Bestimmung, entdecken ihre Natur durch die fast schon natürliche Hingezogenheit zu jenen Themen. Zum Rollenspiel an sich hört man insgesamt sehr verschiedene Meinungen. Für einige ist es sozial sehr förderlich, für andere eine Rückenkehrung zur Realität. Je nach Spielstil fördert RPGing auch Phantasie, Sprachgewandtheit und Gemeinschaft.
(-)Faszination kann verblenden. Einen Vampir zu spielen ist nicht das Gleiche wie ein Vampyr zu sein. Deshalb reagieren viele Sanguinarium-mitglieder und andere Vampy/iristen oft giftig auf die Benutzung der White-Wolf Terminologie in ihren Reihen, auch wenn viele Mitglieder durch einstige Aktivitäten auf dem Bereich ihren Weg in die Reihen des gelebten Vampyrismus fanden.
Manchmal kommen Beobachter nicht umhin, eine gewisse Angst in den Vampyren zu sehen, wenn sie sich mit gespielten Vampiren der Scheinwelt konfrontiert sehen...
(=) Clessidra ist KEIN Rollenspielverein, was aber höchstens bedeutet, dass wir nicht darauf ausgelegt sind, Würfelbeutel zu zücken und uns in fremde / angeglichene Welten zu träumen. Vampyrismus findet oftmals in der Nacht und etwas 'neben' der Realität statt - abseits von menschlicher Öffentlichkeit, kann aber auch dort nicht 'ausgeschaltet' werden. Rollenspieler sind bei uns genauso willkommen, wie jeder andere auch, der sich intensiv mit den Lehren über die Strigoii Vii auseinandersetzen möchte. Rollenspiel wird weder abgelehnt noch in unseren Reihen gefördert. Außerdem schreiben wir keinem seine Freizeitaktivitäten vor (ABER... siehe Kritikpunkt "Verhalten")


Verhalten und Politik

(Wo ist das Problem?) In Rostock gibt es einige große Gruppierungen, welche durch zwischenmenschliche Differenzen etwas auseinandergedriftet sind. Wie in jeder Menschenzusammenkunft, gibt es Streit, aber natürlich auch Zusammenhalt gegen äußere Einflüsse. Es wird kompliziert, wenn sich die Existenz einer Anschauung nur darauf beruft, eine andere zu verneinen oder gar zu zerstören. Clessidra wünscht sehr, sich da raus zu halten und ein neutrales Forum zu bilden. Gerade das kann nicht geschehen, wenn diese äußerlichen Probleme in den Kreis getragen werden. Clessidra gibt auch nicht vor, dass all diese Probleme nicht existieren, wünscht nur nicht dafür genutzt zu werden, diese Probleme vor den Vampyrismus zu stellen. Im Klartext: Auch in Clessidra läuft nicht alles reibungslos, persönliche Streiterein sollten aber nicht am runden Tisch ausgefochten werden, wenn es darum geht, sinnvoll über andere Themen zu diskutieren.
(Verhalten) Viele dieser äußeren Differenzen begründen sich auf Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit. Clessidra legt sehr großen Wert darauf, akzeptiert zu werden, weshalb auch wir akzeptieren müssen, dass unsere Wege auf Unverständnis und Gelächter stoßen. Dem kann man entgegenwirken, indem man die Lehren in der Runde behält. Unsere Lehren sind nicht geheim, aber alles andere als allgemein zugänglich (Schwarzer Schleier, Diskretion). Generell wird von den Mitgliedern erwartet, dass sie sich im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen, tags wie auch nachts, vernünftig verhalten. Belästigungen, Vandalismus und sinnlose Provokation gehören NICHT zu gerne gesehen Ausdrucksformen. Clessidra ist weder eine Elitegesellschaft noch existieren wir, um zu erziehen, weshalb wir niemanden für nachgesagtes Fehlverhalten exkommunizieren (anders sieht es mit illegalem Verhalten in der Öffentlichkeit aus). Das Eintreten von Personen mit auffälligem Fehlverhalten sperrt Clessidra jedoch für Interessenten, welche genau aufgründen der durch diese Personen aufgeworfene Vorurteile die Gesellschaft sowieso schon meiden. Klarer: Es schreckt ab, Vampyristen wie auch Tagesmenschen!
Man sollte sich an Goldener Regel, Vernunft, und Black Veil orientieren.




Selbstkritik und Bildung

(Meinungsbildung) Um sich eine Meinung über irgendetwas zu bilden, sollte man sich vorher mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Natürlich findet man oft nicht die Zeit und die Fülle an Präsentationen zu denen es Stellung zu beziehen gibt, steigt von Tag zu Tag. Doch gerade im Informationszeitalter wird das Selektieren und Verwerten von Informationen unausweichlich wichtig. Bisweilen geht man ja geradezu in dieser Flut unter. Ob es um Schulbildung, Lebenserfahrung oder den Umgang mit anderen betrifft, man sollte seiner Worte bedacht und seiner Meinung gegenüber kritisch sein. Um eine bessere Auswahl von den Informationen finden und besser mit ihnen umgehen zu können, ist ein gewisser Stand an Bildung notwendig. Viele Leute finden nicht die Zeit, etwas zu lesen oder sich anderweitig weiterzubilden, auch wenn diese Umstände zur geistigen Verarmung führen könnte. Clessidra wünschte sich, dass die Mitglieder nicht nur auf eine Suche nach ihrer Bestimmung, sondern gerade auf eine Suche nach der inneren Balance, nach sich selbst gehen. Dabei einfach eine gelehrte, fremde Meinung zu annektieren ist fataler, als gar nicht zu lernen. Darum ist jeder angehalten, sich zu fördern und selbst weiterzubilden. Literatur, Filme, Gespräche... wenn man Bildung zulässt, kommt man gar nicht an ihr vorbei *g*.




Diskretion

(Warum?) Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund. Der Vampyrismus ist im Allgemeinen keine Geheimgesellschaft, wirkt aber im Untergrund. Es besteht weder ein Bedarf, noch der Zwang, dass die Tageswelt von uns unterrichtet wird. Einige behaupten, Verschlossenheit läge in unserem Wesen, was es manchmal leichter macht zu jagen oder einfach nur zu sein. Man muss auch diesen Grund nicht verstecken: Es hat etwas Mystisches, etwas Geheimnisvolles. Dieses Portal informiert, trägt aber kaum Lehren vor. Jene passieren im Inneren. Man findet andere, weitaus populärere 'Geheim'gesellschaften, die auch immer noch einen großen Wert auf Diskretion legen (z. B. die Freimaurer). Die Gründe unterscheiden sich nicht in besonders vielen Punkten.
Der 'Vampyrarchetyp' ist ebenso eher als Egoist, Individualist, Eremit und Wesen der Nacht bekannt. Er existiert in Mythen und Sagen, über welche selbst die Vampyrgemeinschaft nicht alles weiß. Auch, um dieses Mysterium zu erhalten, bleiben Hauptaktivitäten hinter verschlossenen Türen.



18 - Jahre-Grenze

(+) Auch wenn vielen Vampyren nachgesagt wird, dass sie während des Entwicklungsprozesses, der Pubertät, erwachen, dauert das Erwachsenwerden selbst eine Weile an. Mit 18 Jahren ist diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen, hat aber wenigstens eine generelle Richtung eingeschlagen. 18 ist das legale Alter der Volljährigkeit und rechtlich ist in unserem Land nun jeder für sich selbst verantwortlich. Erwachsene, welche sich lange aus gesellschaftlichen Zusammenkünften wie Clessidra herausgehalten haben, fühlen sich oft wohler in einem lebenserfahreneren Kreis. Dazu kommt, dass die Gefahr sehr groß ist, im Taumel von Mode und Trends eine Überzeugung (bisweilen sehr vehement) auf sich zu nehmen, welche nach ein paar Jahren wieder an Gültigkeit und dann ganz und gar an Bedeutung verliert. Solche Wandlungen gefährden den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Viele Gruppen sehen daher auch eine Anwärterzeit (6 Monate bis 1 Jahr) vor. In dem Punkt: Clessidra noch nicht.
(-) Großes Manko: Genügend Interessenten sind jünger als 18 Jahre. Außerdem gibt es genügend Menschen, welche mit 16 Jahren eine Reife, einen Erfahrungsschatz besitzen, wie ihn manche Menschen noch nicht mit 25 erreicht haben. Ähnlich wie mit der Hierarchie ist es schwer, zu bestimmen, wer nun reif genug ist und wer nicht.
(=) Auch in Clessidra gibt es die 18-jahre Grenze, die Begründung entspricht den (+)s. Diese Grenze gilt für die Quabals. Offene (und öffentlich angekündigte Treffen) können natürlich von jedem besucht werden. Minderjährige sind ermutigt, trotzdem Gespräche und Gesellschaft zu suchen! Wer Hilfe auf seinem Weg sucht, wird auf keinen Fall im Stich gelassen!