Energievampyrismus


Einige Worte vorweg

"Was ist (Energie-)Vampyrismus?" - eine der grundlegensten und interessantesten Fragen dieser Seite.

Ich selbst, so wie ich diesen Zeilen schreibe, habe meine ganz persönlichen Ansichten über und Erfahrungen mit dem Vampyrismus; einige werden dies in gewissen Punkten anders sehen, andere werden die folgenden Zeilen gar als Blödsinn abtun. Diesen Leuten kann ich nicht weiterhelfen, sie nur bitten, uns ihre Ansichten mitzuteilen; alle anderen jedoch, welche wissen wollen, was Clessidra ligamentum unter dem (Energie-)Vampyrismus verstehen, seien herzlich eingeladen, die Zeit aufzubringen, sich die folgenden Worte durchzulesen und bei Fragen oder Unklarheiten diese in unserem Forum darzulegen.

Ich habe versucht, den Energievampyrismus in seinen Ansätzen von zwei gegensätzlichen Seiten aus zu betrachten, bitte jedoch um Verständnis, wenn ich diese Ansätze nicht weiter ausführen kann oder gar offensichtliche Dinge übersehen habe.

Des weiteren erhebt der folgende Text in keinster Weise Anspruch auf vollständige Richtigkeit - wenn man davon bei einem Thema wie dem Vampyrismus überhaupt sprechen kann -, noch will er den Leser sprachlos hinter seinem Monitor zurücklassen; dieser Text soll explizit nur zum Denken anregen, er soll vielmehr noch Fragen stellen mit den Antworten, die er gibt. Der Vampyrismus in seiner Allgemeinheit ist noch immer zu verschieden, als dass man ihn in seiner Gänze erklären könnte und an diese Einschränkung ist auch der folgende Text gebunden.

Hinweisend soll hier noch einmal erwähnt werden, dass dieser Text sich nicht mit der Vampyrszene, sondern mit der Art des Vampyrismus auseinandersetzt, wie ihn der Energievampyr betreibt.




Energievampyrismus

Um das Thema Energievampyrismus selbst anzugehen, müssen zwei Dinge als Grundlage geklärt sein: Was ist Energie und was ist Vampyrismus.




Energie

"Betrachten wir Energie [...] als ein Potential"

Die Physik lehrt uns: "Energie ist die Menge an Arbeit, die ein physikalisches System verrichten kann" und schlussfolgert gleichzeitig daraus, dass Energie weder verbraucht, erzeugt noch zerstört werden kann; Energie ist permanent.

Betrachten wir Energie gemäß dieser physikalischen Definition also als ein Potential, irgendetwas zu bewirken, sei es in Form eines physikalischen Tuns, eines Gedanken-Denkens oder als ein spirituelles und daher nicht erklärbares Wirken.

Des weiteren geht die Wissenschaft, gemäß der oben genannten Definition, davon aus, dass Energie permanent, in ihrer Menge unveränderbar ist, weshalb wir ständig von Energie umgeben sind; dass wir die Energie eines Dinges aber dennoch erst in dessen Bewegung, d.h. als kinetische Energie wahrnehmen, liegt daran, dass ein ruhendes Ding seine ihm immanente Energie lediglich als ein Potential, also eine Möglichkeit, etwas zu Tun, besitzt: Ein ruhender Felsbrocken stellt nur ein Hindernis dar, gerät er in Bewegung, ist alles andere ihm nur ein Hindernis.

Dieses angesprochene Potential ist jedoch nicht nur physikalisch, sondern im Gleichen psychisch existent, jedoch in einem so enormen und einflussreichen Maße, dass es gar bedingt Einfluss auf die physischen Fähigkeiten des ihm gehörenden Lebewesen nehmen, sprich sich physikalisch äußern kann: So hat sich z.B. der niederländische Schausteller Mirin Dajo wiederholt mit einem Florett durchbohren lassen und obwohl dabei lebenswichtige Organe verletzt wurden, floss kein Blut und die Wunden schlossen sich recht schnell, wobei ungeklärt bleibt, wie er auch nur einen einzigen dieser Stöße hat überleben können und auch der amerikanische Kraftsportler Joseph L. Greenstein, welcher die übermenschliche Leistung vollbrachte, Eisenstäbe zu verbiegen, sagt: "Ich bin ein Mensch ... Ich bin von der Kraft besessen. Du bist Metall ... willenlos. Mein Wille ist dir überlegen. Die Kraft wird dich überwältigen. Du wirst dich biegen ... du wirst brechen."

Auch ohne an dieser Stelle jedoch näher auf die Beschaffenheit und Funktionsweise des menschlichen Körpers einzugehen, ist doch deutlich, dass das unbewusste, psychische Potential eines Lebewesens ungeahnte Möglichkeiten offenbart, im physischen gleichsam wie im psychischen Sinne - der Spruch "Der Glaube versetzt [zumindest für den Glaubenden] Berge" kommt schließlich auch nicht von ungefähr.




Vampyrismus

"Der Vampirismus in seiner allgemeinsten Form [...] ist das Stehlen der Lebensenergie Anderer"

Ist Vampirismus jetzt das Leben in einem großen Schlosse mit dem allnächtlichen Beutezug, wie es schon Dracula zu tun pflegte, ist es lediglich das Trinken von Blut, ist es, metaphorisch auf vorige Vermutung bezogen, das Stehlen von Lebensenergie oder ist es gar, wie es Voltaire meint: "Ich gestehe, dass es ... Börsenspekulanten, Händler, Geschäftsleute gibt, die eine Menge Blut aus dem Volk heraussaugen, aber diese Herren sind überhaupt nicht tot, allerdings ziemlich angefault. Diese wahren Sauger wohnen nicht auf Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen."

Ohne nun jedoch eine dieser Vermutungen als die richtige zu postulieren, aber auch nicht einen Streit zwischen Blut- und Energievampyren zu riskieren, bliebe hier wohl nur eine mögliche Definition übrig: Der Vampirismus in seiner allgemeinsten Form, ohne jedoch Gefahr zu laufen, seinem Inhalt nicht mehr gerecht zu werden, ist das Stehlen der Lebensenergie Anderer.

Der Grund für dieses Energienehmen liegt, und das ist allen Auffassungen des Vampyrismus gemein, darin, dass der Vampyr von einem eigenen natürlichen Energiedefizit ausgeht, d.h. er ist auf natürlichem Wege nicht in der Lage, seinen Energiehaushalt zu decken, weshalb er von denen nehmen muss, welche zuviel Energie haben.

Das "Y" in dem Begriff Vampyrismus stellt schließlich nur noch den Bezug zu dem Vampyr, dem lebenden Vampir dar, mit anderen Worten, es drückt die Art von Vampirismus aus, welche in der Vampyrszene praktiziert wird.




Energievampyrismus

"Der Energievampyrismus [...] schließt explizit [...] das Trinken von Blut als Notwendigkeit aus"

Aufbauend auf den vorhergegangen Erläuterungen muss der Energievampyrismus also eine Art des Stehlens der Lebensenergie anderer sein. - Dies ist im Grunde richtig, doch wäre es so einfach und offensichtlich, gäbe es wohl nicht derart viele Bücher über ihn mit derart verschiedenen Aussagen, dass man leicht den Überblick verliert.

Der Energievampyrismus schließt zum Ersten bereits explizit das Trinken von Blut als Notwendigkeit aus; zum Zweiten aber sind der Definition des Energievampyrismus ab hier kaum noch Grenzen gesetzt, was denn auch das Hauptproblem bei der Beantwortung der oben gestellten Frage darstellt - es gibt keine allumfassende Definition!

Dieser zugegeben etwas lose gestalteten Einschränkung der Begrifflichkeit Energievampyrismus zum Trotze gibt es dennoch gewisse Hauptströme, die sich den Energievampyrismus auf ihre Flagge geschrieben haben, als da wären das aus dem Feng Shui entlehnte Energienehmen über die Energiezentren des Körpers, den sogenannten Chakren, Energiezapfen von den Auren anderer, was gleichzeitig auch die häufigste Form des Energievampyrismus darstellt und zum dritten der nicht überall auf Verständnis stoßende, aber notwendig in jede der vorhergenannten Auffassungen integrierte Vampyrismus als Philosophie.




Feng Shui

"Eine wichtige Rolle im Feng Shui [...] nimmt die Lehre von den geistigen Vitalzentren des Körpers, den Chakren, ein"

Feng Shui stammt ursprünglich aus dem chinesischen Taoismus, einer Philosophie des Beobachtens, wo es heute eine der fünf großen praktischen Künste des Taoismus darstellt, und bedeutet "Wind und Wasser" und ist die Wissenschaft und Kunst vom Leben in Harmonie mit der Umgebung.

Um diese Harmonie, welche Gesundheit, Wohlbefinden, beruflichen Erfolg, persönliches Glück und spirituelles Wachstum bedeutet, zu erreichen, müssen die positiven Kräfte gestärkt und die negativen vermieden werden.

Ein System des Taoismus findet selbst in der heutigen chinesischen Wissenschaft und Medizin noch Anwendung: Das System der fünf Elemente bzw. Wandlungsphasen.

Hierbei geht man davon aus, dass alle fünf Elemente - Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser - miteinander in Einklang stehen müssen, um einen optimalem Energiefluss zu garantieren, da sie sich gegenseitig nähren, kontrollieren oder gar zerstören können.

Von diesen fünf Elementen lässt sich jedes einzelne in unserer Umwelt in Formen, Geschmäcken, Nahrungsmitteln, Eigenschaften, Materialien, in Yin und auch in Yang wiederfinden; ja selbst den Körperorganen sind diese Elemente zugeordnet, wie z.B. Metall der Lunge und Holz der Leber, weshalb man bei einer Lebererkrankung von einer Disharmonie des Elements Holz ausgeht.

Eine wichtige Rolle im Feng Shui - und dies ist auch, woran der Energievampyrismus interessiert ist - nimmt die Lehre von den geistigen Vitalzentren des Körpers, den Chakren, ein. Diese Chakren sind jedoch nicht nur beim Menschen zu finden, sondern auch bei Orten, Landschaften und Ländern, wobei ihre Art und Weise der Funktion den seelischen und körperlichen Zustand des Menschen und seiner Umgebung bestimmt.
Die Chakren sind einer von drei Bestandteilen des menschlichen Energiesystems; die anderen sind der feinstoffliche Körper (Energiekörper) sowie die Nadis (Energiekanäle).

In diesem System stellen die Nadis eine Art feinstofflicher Arterien dar, deren Aufgabe es ist, Lebensenergie (Prana [=absolute Energie], Chi oder Ki) durch dieses feinstoffliche System zu leiten.

Über die Chakren sind die Nadis des einen Energiekörpers mit den Nadis des benachbarten verbunden; die Chakren dienen im Energiesystem des Menschen also als Empfangsstationen, Transformatoren und Verteiler der Pranafrequenzen. Sie nehmen aus den feinstofflichen Energiekörpern des Menschen, seiner Umgebung, aus dem Kosmos und aus den Quellen, die an der Grundlage jeglicher Manifestation liegen, direkt oder über die Nadis Lebensenergie auf, transformieren diese in Frequenzen, die von den verschiedensten Bereichen des physischen oder der feinstofflichen Körper für ihre Erhaltung und Entwicklung benötigt werden, und geben sie wiederum über die Energiekanäle an diese weiter.

Man geht im Allgemeinen von 88.000 Chakren im menschlichen Körper aus, d.h. dass es so gut wie keinen Punkt gibt, der nicht ein sensibles Organ zur Aufnahme, Umwandlung und Weitergabe von Energie ist. Die meisten dieser 88.000 Chakren sind jedoch so klein, dass sie kaum eine Rolle spielen, weshalb man sich meist auf die ca. 40 Nebenchakren, oder noch genauer, die 7 Hauptchakren entlang einer vertikalen Achse an der vorderen Körpermitte beschränkt.




Energievampyrismus basierend auf der Chakrenlehre

Der Energievampyrismus basierend auf der Chakrenlehre geht nun - kurz und bündig - davon aus, dass man über diese Chakren, die ja Energie aufnehmen und abgeben, ganz kontrolliert Energie durch Berühren dieser Energiezentren nehmen kann; in ideellen Fällen geht dies auch aus einer gewissen Entfernung, wobei nochmals erwähnt werden soll, dass der Energievampyr im Gegensatz zu einer Person, welche dies willkürlich tut, in diesem Punkt keineswegs freiwillig handelt, sondern aufgrund seines natürlichen Energiedefizits dazu gezwungen wird.

Zum Zwecke dieser Energieaufnahme gibt es verschiedenste Techniken und Praktiken, die selbst gewisse "Energiespiele" beinhalten, doch sollen jene an dieser Stelle nicht erwähnt werden.




Energievampyrismus basierend auf Auren

"Der Donneur erlangt einen enorm hohen, energetischen [...] Level und von diesen Energien [...] kann sich der Vampyr nun ernähren"

Eine weitere Theorie des Energievampyrismus ist das Nehmen der Lebensessenz aus den Auren anderer.

Als Aura gilt im Allgemeinen das, was ein Lebewesen umgibt, seine Ausstrahlung, sprich das, was es freiwillig zu geben bereit ist. Allerdings wird die Aura auch im Feng Shui Sprachgebrauch als das den Menschen umgebende Energiefeld bezeichnet, worin der für den Vampyr interessante Aspekt einer Aura, die Energieabstrahlung, liegt.

Doch auch, da sich die Aura eines Menschen sehr schlüssig durch die Auffassungen des Feng Shui, durch die Auffassung des Energievampyrismus basierend auf der Chakrenlehre erklären lässt, gibt es sehr viele Energievampyre, die sich auf das Auranähren beschränken aber dennoch nicht auf der Schiene des Feng Shui fahren. Zwar stimmen wohl alle Energievampyre in der Auffassung überein, dass die Aura eines Lebewesens in irgendeiner Weise Energie transportiert, doch dass diese Energie gerade aus diversen Punkten, namentlich Chakren austritt, ist nur eine Theorie, die nicht von allen begrüßt wird.

Der in diesem Teil angesprochene Energievampyr - das mag zum Teil auch für den vorhergenannten gelten - hat ein enorm sensibles Gespür für die Auren anderer Lebewesen, ist oftmals in der Lage, diese Auren schon auf weite Entfernung wahrzunehmen, das Energiepotential zu erkennen, welches das beobachtete Wesen besitzt.

Erlangt der Vampyr nun so eine Person als Donneur, d.h. als Wesen, von dem er "nehmen" kann, so lässt sich die hierbei zu beobachtende Art der Energieaufnahme am ehesten als ein Angestecktwerden bezeichnen. Der Donneur erlangt einen enorm hohen, energetischen, d.h. emotionalen Level und von den Energien, die dafür Sorge tragen, diesen emotionalen Level nach außen hin sichtbar zu machen, die diese Energien also selbst nach außen tragen, kann sich der Vampyr nun ernähren.

Angewandt wird diese Art der Energieaufnahme auf unterschiedlichste Weise. Einige tun dies über Gespräche unter vier Augen, d.h. in einer Situation, in der man sich völlig auf sein Gegenüber, dessen Ausstrahlung konzentriert, andere halten sich hier eher an ambientes Energienehmen, z.B. während Partys oder anderer Situationen, in denen allein die Stimmung schon als energiegeladen bezeichnet werden kann und wieder andere nehmen ihre Energie während des Geschlechtsverkehrs auf, was wohl auch, wenn man einmal von leidenschaftslosem Sex absieht, als größte Metapher für die Energieaufnahme über emotionale Bindungen, sprich die aufzunehmende Energie als Emotionen selbst gelten kann.

An dieser Stelle jedoch sollte die Frage aufgekommen sein, was denn gerade an dieser Art des Energievampyrismus so vampyrisch sein soll; Gespräche unter vier Augen, Partys, Geschlechtsverkehr: Zugegeben alles Dinge, die jeder normale Mensch ständig tut.

Wie aber an anderer Stelle bereits erwähnt, gibt es keine allgemeingültige Definition des Energievampyrismus, d.h. die Erkenntnis der eigenen vampyrischen Natur ist in großem Maße subjektiv begründet, daher wird auf diese und ähnliche Fragen am Schluss dieses Textes noch einmal konkret eingegangen.




Vampyrismus als Philosophie

"wer wie ein Vampyr TUT, hat noch lange kein Vampyr zu SEIN"

Viele werden bei diesem Thema wohl verächtlich den Kopf wegdrehen mit der Bemerkung, man könne sich nicht entscheiden, Vampyr zu sein oder nicht; man ist es, oder nicht. Das sehen Clessidra ligamentum ganz genauso und aus dieser Sichtweise schlussfolgert sich die Wichtigkeit des Vampyrismus als Philosophie: Der Vampyr definiert sich nicht durch die Art der Energieaufnahme, durch sein Handeln also, sondern durch sein Wesen, d.h. durch sein Blicken, durch sein Denken und daraus schlussfolgernd erst durch sein Handeln. Der Vampyr ist nicht, was er tut, sondern - was er ist.

Jeder, der sich nicht nur aus Modegründen Vampyr nennt und sich ernsthaft mit diesem Wesen identifiziert, verfolgt notwendig eine Philosophie des Vampyrismus und aus dieser Sichtweise schließlich erst ist sein Handeln als Vampyr erwachsen - wer wie ein Vampyr TUT, hat noch lange kein Vampyr zu SEIN.

Was aber ist diese omnipräsente Einstellung, die ein Vampyr haben muss, was sagt sie aus, worauf gründet sie? - Gäbe es eine Antwort hierauf, der Vampyrismus würde Religion, der Vampyr würde seine Einzigartigkeit negieren; doch ein derartiges Postulieren und Unterwerfen des Vampyrismus unter strenge Dogmen lehnen Clessidra ligamentum strikt ab.

Im Allgemeinsten aber reichen diese Sichtweisen von einer simplen Faszination am Dunklen über das Gefühl, anders zu sein bis hin zu komplexen und versponnenen Weiterführungen philosophischer Grundideen vermischt mit eigenem und fremden Gedankengut, wodurch die Willkürlichkeit, mit der ein Vampyr erkannt wird, wohl ihre Blüte erreicht.

Clessidra ligamentum beispielsweise verfolgen in ihrem Vampyrismus die Lehre von der Gegensätzlichkeit in allen Dingen. Nicht nur, dass wir die sogenannte Zwielichtzone, den Scheitelpunkt von Tag und Nacht als den Weg des Vampyrs betrachten, nicht nur, dass wir den Akt des Nehmens als einen Akt des Ausbalancierens von Energiedefizit und -überschuss betrachten und nicht nur, dass wir das, was wir nehmen zum Zwecke der Balance und Harmonie in irgendeiner Form wieder zurückgeben, nein wir gehen in dieser Auffassung sogar so weit, dass wir den Vampyr als Einheit von Mensch und Vampyr, von Mensch und Tier betrachten, dessen beide Seiten geehrt und gelebt werden müssen. - Niemand kann von sich behaupten, vollendet Vampyr zu sein, denn spätestens, wenn er trotz permanentem, vampyrischen Energiekonsums irgendwann den Drang verspürt auf ein deftiges, warmes Essen, wird er sich eingestehen müssen, den Menschen mit all seinen Charakteristika doch noch nicht völlig überwunden zu haben, spätestens, wenn er mal wieder seine Steuern zahlen muss, wird er feststellen, dass auch Vampyre der menschlichen Gesellschaft zugehörig sind.

Schlussfolgernd aus dieser Betrachtung vertreten Clessidra ligamentum auch die Auffassung, dass ein Vampyr als einheitliches Wesen nicht völlig vernichtet werden kann; man kann den Vampyr vernachlässigen, man kann sich ganz der Einfachheit des Tages hingeben um den Vampyr sprichwörtlich zu überblenden, aber übrig bleibt stets der Mensch mit einem kleinen Rest Vampyr in sich. Der Vampyr braucht den Menschen (der Mensch aber nicht den Vampyr), denn erst, wenn der Mensch stirbt, wird auch der Vampyr vernichtet, aber ist nicht auch dies eine passende Metapher für die Unsterblichkeit des Vampyrs?

Natürlich sei an dieser Stelle der Einwand gestattet, ob denn diese Auffassung nicht eher schizophrene denn vampyrische Züge trägt, natürlich sei an dieser Stelle der Einwand gestattet, ob denn diese Auffassung den Vampyr nicht in zwei Wesen spaltet, den Menschen als handelndes, den Vampyr als denkendes, aber ist es nicht die Wesensart, das Denken selbst, das erst alles Handeln bestimmt?




Probleme, die eine Definition des Energievampyrismus mit sich bringt

"der Vampyrismus ist mehr, als sein äußerliches Erscheinungsbild preisgibt"

Der Vampyr also ist in seiner Allgemeinheit noch immer Willkürlichkeit; niemand weiß, was einen Vampyr wirklich ausmacht, niemand weiß, wo genau der Ursprung des Vampyrs liegt und niemand weiß, ob erst der reale Vampyr oder der mythische Vampir war, aber dennoch gibt es eine riesige, wenn auch durch vielfältiges Gedankengut vertretene Vampyrszene. - Alles Spinner, die bei der Suche nach ihrer Selbst bei einem Mythos hängen geblieben sind, nicht mehr zwischen Realität und Wirklichkeit unterscheiden können und sich aufgrund einer romantisch verklärten Weltsicht mit einem Wesen identifizieren, welches gerade diese Werte lebt, der modernen Gesellschaft, dem Menschen, aber dennoch haushoch überlegen ist? Typische Außenseiter, die mit den Erwartungen und Werten der Gesellschaft nicht zurande kommen und ihren Sinn in Geschichten und Träumereien suchen? - Möglich. Allein schon der Anspruch des Vampyrs auf Individualität und Andersartigkeit, der selbst so weit geht, den Vampyr als einen parallel zum Menschen verlaufenen Strang der Evolution zu betrachten, ist Indiz dafür.

Stellt sich mit diesem Eindruck aber sogleich die nächste Frage hinterdrein: Viele Energievampyre betrachten diese Energie als eine Emotion, die Energieaufnahme über eine emotionale Bindung - halt: Emotionale Bindung? - Spricht diese Art des Energievampyrismus also im Grunde nicht von, auf den äußersten Punkt gebracht, Liebe? Passt nicht gerade das romantische Idealbild der Liebe von einem gegenseitigen Nehmen und Geben perfekt in diese Art des Vampyrismus, der von den Emotionen anderer handelt, nur etwas "rebellischer" und mystischer, sprich weniger ver- und missbraucht, ausgedrückt?

Denkt man über derartige Dinge nach, so offenbaren sich noch viel mehr Fragen, die jedoch nicht alle einzeln an dieser Stelle aufgelistet werden wollen; vielmehr stellt sich die Frage, was der Vampyrismus all diesen Vorwürfen und Anklagen entgegenzusetzen hat.

Nun ist das im Grunde nicht ganz richtig ausgedrückt: Der Vampyrismus selbst kann schon mangels einheitlichem Gedankenguts keine allumfassende Stellung zu derartigen Vorwürfen beziehen, die Einzigen, welche in dieser von Individualität geprägten Bewegung, Lebens- oder Wesensart überhaupt Stellung beziehen können, sind die Vampyre selbst, jeder für sich allein.

Wie also könnten die Rechtfertigungen zu diesem Thema aussehen? - Ohne hier Anspruch zu erheben, irgendetwas zu sein oder im Namen von irgendetwas Stellung zu beziehen, muss es zur Antwort gereichen, wenn ich behaupte, der Vampyrismus ist mehr, als sein äußerliches Erscheinungsbild preisgibt. Auch wenn man so Gefahr läuft, sich in irgendwelchen transzendentalen Wunderwelten zu verirren, steht dem doch entgegen, dass so ziemlich alles, was uns umgibt oder worauf wir uns stützen, lediglich Annahmen sind, angefangen bei Offensichtlichkeiten wie Einsteins Relativitätstheorie und ihren Kränkeleien, über Ideen, welche sich der Mensch hat zunutze gemacht, wie z.B. Gesetze, Ethik oder Moral bis hin zu diversen philosophischen Erkenntnistheorien und den Fragen, welche diese aufwerfen. Fragt sich also schlussendlich, warum denn gerade die einen Ideen, welche von Vielen befürwortet werden, in irgendeiner Weise berechtigter zu irgendeiner Wahrheit sind als andere, welche nur von wenigen gelebt werden, nur mit dem Argument, dass erstere wahrscheinlicher sind? Wie schrieb doch Descartes einst: "Alles was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch."




Schlussbemerkung

Mit diesem vorhergegangenen Zitat von René Descartes (frz. Philosoph, gelebt von 1596 - 1650) will ich denn meine kleine Einsicht in den Energievampyrismus auch beenden und hoffe gleichsam, dass dieses Zitat als Schlusssatz auch das bewirkt hat, was es bewirken soll: Es gibt viele Wege, ein Leben zu leben und niemand kann sagen, ob wir alle den selben gehen, vielmehr noch, ob dies der richtige ist. Der Vampyrismus ist Willkürlichkeit, er beschreibt bei jedem einen Weg, der ein anderer ist, als der ausgetretene Pfad, den andere nehmen. In wie weit dabei der Begriff "Vampyrismus" gerechtfertigt ist, wird wohl nie jemand wissen können, solange dieser Begriff selbst durch nichts gerechtfertigt ist als das Nehmen von Lebensenergie.

Vampyrismus als Tun, Vampyrismus als Sein, Vampyrismus als Wunschdenken, Vampyrismus als Vorwand: Was liegt schon daran? Kein Vampyr hat gesagt bekommen, dass er einer sei, er hat es selbst für sich entdeckt, hat bei sich selbst die Ideale festgestellt, die er für einen Vampyrismus hält. Es gibt keinen Beweis für den Vampyrismus denn Vorwände, doch sei's drum; Worte kommen und Worte gehen, die Begriffe bleiben die selben, die Inhalte ändern sich - man sollte nicht zuviel auf Worte geben, Worte dienen nur, etwas schon Bekanntes zu beschreiben - hat man je versucht, einem Blindgeborenen die Farben zu beschreiben? -, doch so wahr der Vampyrismus tatsächlich als eine "Szene" existiert, so abgründig allem Bekannten liegen seine tiefsten Ideen.

Der Vampyrismus als Begriff umschreibt eine bestimmte Art zu leben; der Fakt, dass sich jene, welche unter diesem Banner zusammenkommen, doch größtenteils untereinander verständigen können, gibt uns doch zum Ausdruck, dass seine Befürworter dennoch in irgendeinem Punkt gemeinsame Vorstellungen haben - wenn dies auch nicht unbedingt auf die Art des Vampyrseins zutrifft -, der Begriff "Vampyrismus" also in irgendeiner Weise doch Wesen umfasst, welche schließlich trotz Allem ein gemeinsamer Gedanke antreibt.

Belassen wir es dabei, den Vampyrismus mit keiner Abhandlung, mit keinem Referat und mit keiner noch so akribisch geführten Doktorarbeit weiter als in seinen Ansätzen erfassen zu können, belassen wir es dabei, den Vampyr als eine Willkürlichkeit, als einen Vorwand oder als eine Flucht aus einer Welt in eine andere zu betrachten und belassen wir es dabei, dass ich nicht für den Vampyrismus als Ganzes sprechen kann, dieser als Ganzes nicht für mich spricht und er in seiner Allgemeinheit doch immer ein Rätsel bleiben wird - auch für den Vampyr -, denn was nie als Ganzes geschaffen ward, kann folglich auch nie als Ganzes begriffen werden.